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Sizilien 8 - Salzstrasse

EF • 2. November 2022

Samstag, 29.10.2022, Fleur de Sel

 

Heute Morgen spricht uns ein 76- jähriger Italiener an, der einige Jahre in der Schweiz gelebt hat und erzählt uns in gebrochenem Deutsch von seiner Zeit in der Schweiz und von seiner Familie.

Gegen Mittag fahren wir zur „Salzstrasse“, die uns zuerst an den Salinen von Marsala vorbei führt. Hier sehen wir ein paar Flamingos in den Salzbecken stehen und nach Algen und Krebsen suchen. Diese geben den Flamingos ihre Rosafärbung durch die darin enthaltenen Carotinoide.

Leider können wir hier nicht anhalten, um ein paar Fotos zu machen. Vielleicht klappt das später ja noch.

Vor Trapani besuchen wir ein Salzmuseum und werden in die Geschichte des Salzgewinns entführt. Diese Saline ist ein Familienbetrieb und der Enkel vom Gründer führt uns in die Wissenschaft der Salzgewinnung ein. Wir sehen die Werkzeuge, die früher für die Salzgewinnung gebraucht wurden. Das Salz wird im Frühjahr vom Meer in ein erstes Becken gelassen. Dort lagern sich die Sedimente ab und die Fische finden auch tolles Futter. Mit einer Wasserpumpe mit dem Archimedes-Prinzip wird das Wasser von Becken zu Becken gepumpt, bis im letzten Becken das Wasser nur noch ein paar cm tief ist und die Konzentration von Salz im Wasser entsprechend sehr hoch ist. Im August ist dann auch dieses Wasser verdunstet und es erfolgt dann die Ernte. Hier in Sizilien wird das Salz nur einmal im Jahr, im August, „geerntet“, weil es praktisch nie regnet. Regen würde das Salz wieder verdünnen und die Arbeit wäre umsonst gewesen. In Frankreich zum Beispiel muss jeden Monat geerntet werden. Die Italiener haben es also wieder einmal gut getroffen. Mit Stechschaufeln wurde früher die ca. 10cm dicke Salzschicht abgestochen und in Metalleimer zu je 30kg Salz zuoberst auf den Salzberg getragen. Heute geht es auch maschinell. Das Salz wird dann über den Winter abgedeckt, trocknet so gut aus und ist dann reich an Mineralstoffen. Das manuell abgebaute Salz ist hochwertiger, als das maschinell abgebaute. Letzteres hat viel Schlamm drin und muss zuerst gesäubert werden, wodurch wertvolle Mineralien verloren gehen. Leider haben wir keine Flamingos mehr aus der Nähe beobachten können.

 

Von Trapani aus fahren wir auf 700 Meter hinauf, nach Erice. Um 16 Uhr haben wir eine über zweistündige Videokonferenz, sodass wir das Städtchen erst beim Eindunkeln erkunden können. Wir finden eine Pizzeria in einem schönen Kellergewölbe, sind aber unterschiedlich zufrieden mit unserer Pizza. Während Annette mit ihrer Pizza zufrieden ist, hat Erichs Pizza (genannt Gustoso – Tasty – Lecker) überhaupt keinen Geschmack. Und nein, er hat kein Corona. Ebenso der gemischte Salat war praktisch ohne Sauce,  dafür umso grösser. Auf dem Rückweg zu unserem Womo, kauft sich Erich noch ein Gelati. Endlich noch etwas, das mundet. Erich ist also ganz enttäuscht von dieser Stadt, nicht nur kulinarisch. Ausser den Touristen ist hier niemand, kein Leben. Die meisten Häuser sind dunkel, verlassen oder auch am verlottern. Die rund 30‘000 Einwohner der Gemeinde wohnen in den umliegenden Dörfern am Fusse des Berges. In der Stadt auf dem Berg wohnen nur noch ein paar hundert Einwohner.


Sonntag, 30.10.2022, Erice bist du lebendig?

 

Erice hat das Label zu den schönsten Städten Italiens zu gehören. Auch hier gibt es zwei verschiedene Touren durch die Stadt und wir nehmen natürlich den längeren Weg, der uns zuerst um die Stadt herum führt mit Aussicht in die Ebene. Danach schlendern wir durch die Gässchen der Stadt und kaufen Amaretti ein. Nun ist das Städtchen durch die Touristen, die mit Bussen herangekarrt werden, belebt und es fällt nicht mehr so auf, dass dies faktisch eine tote Stadt ist. Wenigstens auf den offiziellen Touristenwegen ist etwas Leben zu spüren. Ausser zwei Kirchen sind alle Sehenswürdigkeiten geschlossen. Dafür sind die Shops umso bunter und laden zum Krämern ein. Die Amaretti seien hausgemacht, im Stock oberhalb des Verkaufslokals hergestellt und schmecken vorzüglich!

Auf dem Weg auf die Landzunge San Vito Lo Capo, bunkern wir bei einem Brunnen an der Strasse wieder einmal 150l Wasser. Es ist schwierig, den Füllstand abzuschätzen, da wir ziemlich schräg stehen und die Anzeige damit ebenso schräg daherkommt.

Nach einem kurzen Mittagshalt an einem Strand mit glasklarem Wasser, finden wir vorne an der Landzunge ein schönes Plätzchen am Meer, wo noch andere Womo’s stehen.

 

Montag, 31.10.2022, Smilax Aspera



Der Morgen begrüsst uns mit einem starken Sonnenschein. Wir beschliessen, nochmals einen Tag hierzubleiben und das Overlander Leben zu geniessen. Es ist ein Platz wie aus dem Werbeprospekt. Viel Platz, keine Häuser in der Nähe, eine Ziegenherde die uns mit ihrem Geläut 24h lang erfreut und ein paar Overlander in einem respektvollen Abstand von jeweils 20-50m. Hinter uns der steinerne Hügel und vor uns das weite Meer, irgendwo kommt dann Afrika.

Rund 6‘000 Schritte zeigt die Fitbit-App nach unserem morgendlichen Spaziergang der Küste entlang. In den Felsen tummeln sich unzählige Kletterer, darunter auch eine Schweizer Familie.

Da wir nun alle Videokonferenzen hinter uns gebracht haben, müssen wir nicht mehr so strikt auf unser Datenkontingent acht geben und können wieder surfen, wie wir es gewohnt sind. So surft Erich für seine Erkundung von Materialien und Möglichkeiten für alle seine weitern Ausbauprojekte von Baloo. Unter anderem muss eine bessere Lösung für die Trittstufe gefunden werden. Sie ist noch nicht klappbar und daher zu sperrig. Also soll eine Klapptrittstufe her, innen an der Aufbautüre festgemacht werden. Zudem soll dort auch noch eine Ablage entstehen, damit Kleinteile gelagert werden können wenn wir draussen sitzen. Damit noch nicht genug, die Ablage soll demontierbar und auf der Fussablage des Liegestuhls platziert werden können, damit Annettes Drink einen adäquaten Standplatz bekommt. Drei auf einen Schlag, ob es gelingt werden wir bis im nächsten Frühjahr feststellen.

 

Nach einem ausgiebigen Mittagessen (das Frühstück lassen wir jeweils aus) mit Brot, Käse, Fleisch und Co. kommt das Mittagsschläfchen zum Zug. Annette wegen des auffrischenden Windes im Baloo und Erich mit dem Kopf in dessen Schatten, von seiner Heldenbrust herab jedoch in der Sonne.

„eat – sleep – beach and repeat“ so stehts auf Annettes T-shirt und diesem Befehl folgen wir heute gerne.

 

Bei einem Spaziergang rund um unseren Platz riecht Erich etwas feines und schickt seine Nofretete auf den Riechergang. Sie kommt prompt mit einem der gut riechenden Zweige zurück. Das Internet weiss alles und sagt uns, dass dies eine Smilax Aspera, raue Winde, sei. Auch genannt Sarsaparille und Mittelmeer-Smilax, eine blühende Rebenart aus der Familie der Gründorngewächse. Es ist eine ausdauernde, immergrüne Kletterpflanze mit einem flexiblen und zarten Stängel mit scharfen Dornen. Der Stamm kann bis zu 4m lang werden. Die Blätter sind 8-10cm gross, lang, gestielt, wechselständig, zäh und ledrig, herzförmig mit gezähnten und stacheligen Rändern. Die Blüten sind also sehr duftend, klein, gelblich oder grünlich, in achselständigen Trauben angeordnet. Die Blütezeit erstreckt sich in mediterranen Regionen von September bis November. Die Früchte sind kugelige, in Büschen gesammelte Beeren, die im Herbst reifen. Sie sind zunächst rot, später schwarz, mit einem Durchmesser von 8-10mm. Für den Menschen nicht geniessbar, aber eine Nahrungsquelle für viele Vogelarten. Und mit diesem Plagiat habe ich sicher den Vogel abgeschossen und brauche weitere Erholung.

 

Wegen der Zeitumstellung wird es bereits früh dunkel und wir geniessen den späteren Abend im gemütlichen Baloo, indem ein Zweig Smilax Aspera für guten Geruch sorgt.

 

Dienstag, 1.11.2022, Allerheiligen

 

Nach 500m Offraod kommen wir in zum Friedhof. Dort hat es extrem viel Verkehr, es ist Allerheiligen und wie es scheint, sind alle Italiener unterwegs. Wir nehmen die andere Strasse, weil die beim Friedhof überfüllt ist. Zudem ist sie eine Einbahnstrasse, nur nicht so bezeichnet, viva Italia!  Gegen Mittag fahren wir die Landzunge zurück und kommen wieder an den Marmorsteinbrüchen vorbei. Am ganzen Felsen entlang gibt es immer wieder Steinbrüche, wo man die Löcher der grossen, viereckigen Marmorblöcke sieht.

Nach einem Tankstopp fahren wir zum Naturreservat Zingaro. Der Parkplatz ist bereits voll und wir stellen uns hinter einen Car ins Parkverbot. Hier essen wir und beraten, wie es weiter geht. Wir werfen all unsere bisherigen Pläne über den Haufen, suchen Alternativen und landen wieder bei unseren ursprünglichen Plänen für die letzten Tage auf Sizilien.

Vom Parkplatz aus sehen wir einen Strand, den wir anfahren wollen. Ein letztes Bad im Meer bei 24 Grad Lufttemperatur wäre toll. Bei der einzigen Strasse zum Strand hat es aber ein Womoverbot. Auch der Turm von Scopello ist geschlossenen. So bleibt uns noch das Dörfchen Scopello für eine Besichtigung. Das Dorf ist autofrei, doch hat es nur wenige Parkplätze vor dem Dorf an der Strasse. Das riesige Parkgelände auf der Wiese ist geschlossen. Auch hier sind wir nicht die einzigen und parkieren als letzte am Strassenrand, gerade vor der Verbotstafel. Das Dorf haben wir schnell gesehen, es besteht nur aus ein paar Häusern und geschlossenen Hotels. Die Allerheiligen-Ausflügler tummeln sich auf der kleinen Piazza vor einer Gelateria. Da uns nichts anderes übrig bleibt beugen wir uns dem Gruppenzwang und besorgen uns auch ein Gelati. Annette probiert noch das Pistache-Granita, das als einziges erhältlich ist. Es hat mehr Eiskörner als Geschmack und ist absolut nicht zu vergleichen, mit dem was Erich in der besten Gelateria von Piazza Armerina bekommen hat.

In Castellammare del Golfo schlagen wir unser Nachtquartier auf. Annette checkt die Pizzeria am Platz. Es gibt keine Karte, aber der Pizzaiolo ist nicht redefaul. Da es am ersten Platz wegen der „Chilbi“ und den Autos und Motorräder, die hier ihre typische Runden auf dem Parkplatz drehen, etwas laut ist, dislozieren wir ans andere Ende der Lungomare. Hier kommen nur noch wenige Autos, fahren auf den Platz und sind sogleich wieder weg. Das Gleiche kann man natürlich auch mit dem Motorrad tun, ist einfach um Faktoren lauter. Um 18Uhr ist es bereits dunkel. Es gibt Pizza „Annette“, die auch sehr gut schmeckt, den Geldbeutel weniger belastet und auch nicht verbrannt ist. Nachher haben wir Zeit, um den Tag nochmals vor Augen zu führen, im Blog zu verewigen und einen Teil der aufgestauten mails definitiv zu bearbeiten.

 

Mittwoch, 2.11.2022, Auf der Panoramastrasse

 

16°C am Morgen im Baloo. Nun kühlen die Nächte schön ab und wir schlafen noch erholsamer. Die Sonne scheint schon etwas flach und wir heizen das Womo mit Sonnenenergie auf.

Wir spazieren dem Strand entlang, da wir heute vorwiegend fahren werden. Heute haben wir Grosses vor. Einfach mal keine Stadt oder Ruinen anschauen, sondern die Strecke nach Cefalù geniessen. Auf der Karte sind die Strassen mit unterschiedlichen Farben gezeichnet: weiss, orange und rot, aufsteigend nach ihrer Wichtigkeit und Breite. Erich ist die Farbe wurscht, Hautpsache grün, der zusätzlichen Farbe auf der Karte für reizvolle Strecken. Nur Palermo werden wir auf der Autobahn umfahren und sparen uns das Gewühl für Donnerstag und Freitag auf.

Von der Strecke vor Palermo sind wir etwas enttäuscht, das Meer sehen wir nur selten, dafür begleitet uns auf der Landseite ein felsiges Gebirge. Vor Palermo fahren wir auf die Schnellstrasse, die durch die Peripherie von Palermo geht. Bereits hier ist der Verkehr gewaltig und es gibt viele Ein- und Ausfahrten, mal ist die Strasse zwei-, mal dreispurig und es wird wild die Spur gewechselt.

Nach Palermo ist es dann wieder ruhiger, bis die Strasse gesperrt ist. Wir müssen einen Umweg fahren. Unser Navi lotst uns durch eine Strasse mit engen Haarnadelkurven und tiefhängenden Ästen. Die ist sicher nicht für Lastwagen gedacht!

In der Gegend vor Cefalu ist es nicht einfach einen Übernachtungsplatz zu finden. Der erste Platz, den wir anfahren ist eine Baustelle und hat sowieso ein Campingverbot. Der zweite Platz ist sehr schön, ein Parkplatz am Meer, hat aber auch ein Campingverbot. Es stellt sich wieder einmal die Frage, wie „Campieren“ ausgelegt wird. Wir nehmen keine Tische und Stühle hervor und hoffen, dass dies unter „Parkieren“ in der Nebensaison durchgeht. Wir wollen morgen ja bereits früh losfahren.

 


Reiseroute

Reiseroute

von EF 26. Oktober 2024
Am Morgen beginnt es stark zu regnen. Der Regen mischt sich zwischendurch mit Hagelkörnern. Wir hoffen, dass diese nicht grösser werden und Spuren auf Baloo’s Dach hinterlassen. Um uns herum bilden sich Pfützen in der Wiese.
von EF 19. Oktober 2024
Wir packen zusammen. Das Wetter macht uns den Abschied vom Meer einfach, es regnet leicht. Wir lassen Luft aus den Reifen (von 4.8 auf 2.5 bar) ab, damit wir besser durch die Unterführung kommen.
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