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Türkei 10 - Durchs Gebirge

EF • 29. Mai 2024

Kurz & bündig

  • Im Eiltempo übers Hochland
  • Durch die Schlucht nach Artvin
  • Dem Stausee entlang
  • Tüneli und Final
  • Atatürk Köskü und Kloster Sumela
  • Seenwanderung
  • Türkische Ravioli


Donnerstag, 23. Mai 2024 – im Eiltempo übers Hochland

 

Wir geniessen nochmals unseren Platz und verabschieden uns von den Niederländern, die heute nach Georgien weiterreisen.

Erich lädt den Blog hoch und dann machen auch wir uns auf.  Heute ist der Weg das Ziel. Wir fahren dem See entlang, weiter auf rund 2000 müM auf einer 4-spurigen Strasse durchs hügelige Gelände mit wenig Bäumen und stechen dann in die Berge. Es geht wieder auf 2470müM über den Cam Gecidi.

Die Landschaft erinnert nun sehr an die Schweiz: grüne Wiesen und Weiden. Die Strasse führt nun zweispurig im Zick-Zack in die Schlucht hinunter.

Auf dem Picknickplatz Alani in einer Waldlichtung auf 1900 müM machen wir Halt. Wir geniessen die Sonne draussen und ziehen uns dann für den Eishockeyviertelfinal Deutschland- Schweiz ins Womo zurück. Nach einem nervenaufreibenden Spiel gewinnt die Schweiz und ist im Halbfinal! Der Tag hat seinen Höhepunkt damit erreicht und wir geniessen den lauen Sommerabend.

 

Freitag, 24. Mai 2024 – Durch die Schlucht nach Artvin

 

Wir bleiben bis zum Mittag an diesem Platz und fahren weiter an Wäldern und Wiesen vorbei durch die Berglandschaft. Wir kommen wieder an einem Bergdorf vorbei, das abgesehen vom Zustand der Häuser, ebenso gut in der Schweiz stehen könnte. Es erinnert uns an Holzhäuser im Wallis.

Wir haben bereits einiges an Höhe verloren, als uns der Fluss Berta Cayi durch eine Schlucht begleitet. Irgendwann mündet er in einen verästelten Stausee, dem wir weiter folgen. Nach der Stadt Artvin fahren wir einem Ausläufer des Stausees entlang, wo wir uns an einem Rastplatz in der Schlucht für die Nacht hinstellen.

Wir befinden uns 1400m tiefer als heute Morgen, an einem neuen Rastplatz mit überdachtenTischen auf 450müM, was wir deutlich an der höheren Temperatur merken.

 

Samstag, 25. Mai 2024 – Dem Stausee entlang

 

Nachts fuhren immer wieder Autos und Lastwagen vorbei, so dass unsere Nacht nicht sehr erholsam war.

Nach Erichs Videokonferenz fahren wir am Mittag weiter durch die Schlucht, dem über 100km langen Stausee entlang mit Blick auf die hohen, schroffen Felsen. Wir sehen immer wieder Felsbrocken neben der Fahrbahn liegen, die abgebrochen und heruntergefallen sind. Das gibt Annette ein etwas mulmiges Gefühl, zumal es immer wieder regnet. Wir fahren gefühlt stundenlang den Verästelungen des Stausees entlang. Vor Yusufeli gibt es mehrere neu gebaute Tunnels, doch die neue Brücke ist noch nicht für den Verkehr freigegeben, sodass wir einen 20km Umweg machen dürfen. Nach Celtikdüzü geht der Stausee in einen Fluss über, der wegen des Regens viel Wasser führt.

Vor Ispir finden wir einen grossen Kiesplatz neben dem Fluss, wo wir am Abend den Eishockeyhalbfinal Schweiz gegen Kanada anschauen, der spannender als ein Krimi ist. Völlig erschöpft schlüpfen wir in die Federn.

 

Sonntag, 26. Mai 2024 – Tüneli und Final

 

Bei Ispir biegen wir rechts ab Richtung Schwarzmeerküste. Wir nehmen das 14,6 km lange Tunnel (türkisch Tüneli) durch den Ovit Dagi, da wir bei Regen nicht auf 2700müM fahren wollen und es dürfte auch nicht schneegeräumt sein. Der Tunnel ist neu und modern und hat in jede Richtung eine zweispurige Röhre. Wir sind die einzigen, die gemütlich durchfahren! Was uns beeindruckt, ist die Beleuchtung, denn es kommen immer wieder Abschnitte in verschieden Farben, sehr kreativ und gut gegen die ermüdende Eintönigkeit!

Wir peilen einen Platz in der Nähe von Kalkandere an. Unser Navi führt uns schon früh von der Hauptstrasse weg, durch enge und steile Strassen durch ein Teeanbaugebiet, wo die Leute fleissig am Ernten sind. Sie schneiden die obersten Blätter der Teesträucher ab und legen sie auf ein grosses Tuch, dessen Enden sie nachher zusammenbinden. Es liegen ganz viele gefüllte Tücher auf den Teefeldern und neben der Strasse.

Oben im Dorf angekommen, geht es wieder hinunter, durch Kalkandere hindurch und auf den nächsten Hügel. Bei einem Wasserfall sollte der Platz liegen, doch da hat es kaum Platz für uns. Erich schaut sich den Wasserfall an und bekommt noch eine Führung durch eine Mühle, die mit Wasserkraft angetrieben wird. Danach geht es wieder zurück nach Kalkandere. Unterwegs kommt uns ein riesiger Brummi entgegen. Er bedeutet uns, zurückzufahren. Erich fährt einige Meter zurück, bis hinter uns ein anderes Fahrzeug auftaucht. Der Fahrer hält nichts davon, zurückzufahren und sagt dem Brummifahrer, er solle sich rückwärts bewegen. Und wirklich, der Brummifahrer muss gar nicht weit zurück, bis er eine Ausweichmöglichkeit findet und wir an ihm vorbeischleichen können. Uff – türkisch müsste man beherrschen!

Wir fahren bis an die Schwarzmeerküste, an der eine vierspurige Hauptstrasse entlangführt. Hier ist es schwierig einen Platz zu finden, der nicht direkt an der Strasse liegt. In Kalecik finden wir einen solchen an einem kleinen Hafen.

Gleich oben hat es ein Restaurant, wo wir uns ein Stück Kuchen gönnen. Weil es zu regnen beginnt, müssen wir von der Terrasse mit Blick auf’s Meer, ins Innere des Restaurants flüchten.

Am Abend verlieren unsere Hockeyaner den WM Final gegen Gastgeber Tschechien. Aber sie haben sich wacker geschlagen. Und wir auch.

 

Montag, 27. Mai 2024 – Atatürk Köskü und Kloster Sumela

 

Es war schön ruhig hier, bis uns der Muezzin um 4 Uhr in der früh mit seinem Gebetsruf geweckt hat. Ein Wahnsinns-Schrei! An Schlaf ist da nicht mehr zu denken, aber wir nehmen es gemütlich.

Wir fahren auf der Schnellstrasse dem Meer entlang bis nach Trabzon. Kirchen und Klöster zeugen von einer Zeit, als Trabzon Hauptstadt eines kleinen christlichen Reiches war.

Im 13. Jahrhundert wurde die Hagia Sophia als byzantinische Kreuzkuppelkirche des Klosters der göttlichen Weisheit erbaut. Sie ist das Einzige, was vom Kloster noch übrig ist.

Seit 2013 ist sie eine Moschee, die Annette mit Kopftuch betreten darf. Erich hat kurze Hosen an und muss draussen bleiben, wird aber nicht angebunden. Wir können in einem Nebenraum die farbigen Fresken bestaunen, die leider am verblassen sind.

So viel Kultur gibt Hunger und wir setzen uns in ein kleines Imbissrestaurant in einer Nebenstrasse, wo Mutter und Sohn kochen. Nach dem leckeren Essen fahren wir die steilen Strassen der Stadt hinauf bis zur Atatürkvilla (Atatürk Köskü). Sie thront hoch über der Stadt mit Blick aufs Meer. Hier hat Atatürk 1921 exakt dreimal übernachtet, dann bekam er es von der Stadt geschenkt. Sowas sollte uns mal passieren….

Wir schauen uns das Haus und die Möblierung von damals, sowie den schön gepflegten Garten an.

Drei Hochzeitspaare mit ihren Fotografen sind ebenfalls hier und benutzen die Villa mit Garten als Fotosujet.

Weiter geht es zum Kloster Sumela, das etwa eine Autostunde entfernt in einem Nationalpark auf 1200müM liegt. Leider herrscht hier dichter Nebel, sodass wir den spektakulären Felsen, an den sich das Kloster schmiegt, nur erahnen können.

Das Kloster wurde wahrscheinlich um das Jahr 385 gegründet. 1921 wurde die Klosteranlage bei türkisch- russischen Gefechtshandlungen in Brand gesetzt. Einiges wurde in der Zwischenzeit renoviert. Das Prunkstück ist sicher die Grottenkirche, die in den Felsen gehauen ist und über und über mit farbigen Fresken bemalt ist. Des Weiteren können wir die Küche, den Speisesaal, die Toiletten, die Bibliothek und einige Mönchszimmer anschauen. Alles aber nicht möbliert und nicht vergleichbar mit europäischen Klöstern.

Wir benutzen die Gelegenheit und fragen, ob wir auf dem grossen Besucherparkplatz übernachten dürfen. Wir dürfen, unser Parkticket ist damit bis morgen 10 Uhr gültig.

 

Dienstag, 28. Mai 2024 – Türkische Ravioli

 

Heute wären das Wetter und die Sicht für einen Besuch im Kloster besser gewesen. Hätten wir nur den Wetterbericht eingehender studiert. Wir fahren 119 Kilometer durch Schluchten, Tunnels und über die Berge bis an einen kleinen See in der Nähe von Telme. Unterwegs leeren und putzen wir unsere Trenntoilette und machen auf einer weiteren Passhöhe auf 2000müM unseren Mittagshalt.

Am See haben wir Nachbarn aus Holland, selbstverständlich mit gebührendem Abstand von 500m am anderen Ende des Dammes, mit denen wir ein paar Worte wechseln. Zum Abendessen gibt es wieder türkische Ravioli an der Knoblauch- Joghurtsauce mit rotem Chillipfeffer und Pfefferminze. Mhm!

Die türkischen Ravioli sind ein Gradmesser, ob die potenzielle Schwiegertochter etwas taugt oder nicht. Je kleiner die Ravioli geformt sind, desto eher wird es etwas mit ihr. So gut kennen wir uns noch nicht aus, aber die heutigen Ravioli mit ihren 3cm Grösse zeugten von einer ganz schlechten Partie. Wir hatten auch schon 1cm Versionen mit schon fast vegetarischer Fleischfüllung.

 

Mittwoch, 29. Mai 2024 - Seenwanderung

 

Die Sonne scheint und wir wandern um den kleinen See herum. Der Weg ist zwischenzeitlich etwas matschig oder gar nicht vorhanden, sodass wir über die Wiese müssen.

Bei unseren holländischen Nachbarn bleiben wir hängen und diskutieren über Gott und die Welt.

Schnell noch etwas essen und dann führt uns unser Weg durch eine abwechslungsreiche, bergige und schluchtartige Landschaft.

Wir erreichen unser heutiges Ziel „Göksu Travertenleri“, das kleine Pamukkale bei starker Bewölkung am späten Nachmittag. Die Angestellten begrüssen uns herzlich. Wahrscheinlich verirren sich nicht allzu viele Touristen hierher. Wir wollen die Sinterterrassen aber bei Sonnenschein anschauen. Damit die Angestellten nicht enttäuscht sind, wenn wir wieder gehen, kommunizieren wir mittels Übersetzungsapp, dass wir morgen bei Sonnenschein wieder kommen. Am Verkaufsstand müssen wir eine Menge probieren und kaufen dann Nüsse in einer gummigen Masse ein.

Wir fahren noch einige Kilometer in die Höhe auf eine Wiese, aber auch hier drückt der Nebel, sodass wir fast nichts sehen. Etwas später grüsst uns die Sonne doch noch.

 


Reiseroute

Reiseroute

von EF 26. Oktober 2024
Am Morgen beginnt es stark zu regnen. Der Regen mischt sich zwischendurch mit Hagelkörnern. Wir hoffen, dass diese nicht grösser werden und Spuren auf Baloo’s Dach hinterlassen. Um uns herum bilden sich Pfützen in der Wiese.
von EF 19. Oktober 2024
Wir packen zusammen. Das Wetter macht uns den Abschied vom Meer einfach, es regnet leicht. Wir lassen Luft aus den Reifen (von 4.8 auf 2.5 bar) ab, damit wir besser durch die Unterführung kommen.
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